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Aussehen
| Die Basilika - eine Jurtenkirche |
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Das Zelt, diese "Architektur auf Zeit" , dient nicht nur zum Schutz, sondern ist, wie ein kirgisisches Sprichwort sagt, der
Tempel eines Gottes. Wegen des leichten Transports sind es in der Regel die Nomaden, denen es als Behausung dient.
In den einzelnen Erdteilen wurden die unterschiedlichsten Formen entwickelt, die Kata der Lappen, das Tipi der
Prärieindianer, die Jaranga der sibirischen Nomaden oder das schwarze Zelt in Nordafrika und im Orient.
Aber heute noch wohnen viele Völker der Erde in Zelten. Bei uns verbreiten sie lediglich Ferienromantik.
Bis auf die Lager der Pfadfinder. Ein solches Lager bzw. die Kirche eines dieser Lager soll hier vorgestellt werden. Die Basilika - eine Jurtenkirche, die auf dem VCP-Bundeslager 1984 in Eschwege errichtet wurde.Der Beitrag erschien in der Architekturzeitschrift "Bauwelt", Ausgabe 3, 17. Januar 1986, 77. Jahrgang.
JurtenkircheDer Plan für den Bau einer Jurtenkirche entstand während einer Großfahrt der Christlichen Pfadfinder 1984 in Schweden. Anregung gaben einige große Jurtenburgen, die ich auf den letzten Lagern gesehen hatte. In diesen Zelten fanden an die 100 Personen Platz, doch war ein direkter Blickkontakt nur zwischen Teilen möglich. Die Idee war also, ein Versammlungs- und Feierzelt zu konstruieren mit Platz für möglichst viele Personen ohne störende Zwischenwände. Es entstand der Plan einer Jurtenburg mit vier Türmen. Sie hatte eine Seitenhöhe von 6,40 m, mit Fahnenspitzen mehr als 13 m. An diesen vier Türmen war der Chor abgehängt und die Seitenschiffe befestigt (Höhe 3,20 m); zwischen den Türmen sollte ein Jurtendach in fast 5 m Höhe ausgespannt werden. Dabei sollte die erforderliche Mittelstange (sie war dann 8 m hoch) auf einem Stangengerüst stehen, damit keine zusätzliche Stange den Blick im Inneren behindert.
Soweit der Plan.
Übrig blieben acht als Sturmsicherung. Diese waren auch nötig, da jeder Turm ein Segel mit 48 qm Größe darstellte. Bei ungünstiger Windrichtung bot die Basilika eine Angriffsfläche von fast 200 qm; das entspricht der vollen Besegelung eines 2-Mast-Segelschiffes. Als letzte Arbeitsgänge am Stangengerüst wurden dann noch die Turmspitzen eingebaut und die 50 kg schwere Glocke in einen Turm gehängt. Nach fünf Tagen war der Rohbau fertig. Nachdem die ersten Gruppen angereist und damit das erste Material da war, konnte mit dem Anbringen der Planen begonnen werden.
Dies stellte sich, vor allem auf den Türmen, als äußerst schwierig heraus. Starker Wind machte es zeitweise unmöglich in den Türmen zu arbeiten. Nach fast neun Tagen, genau zehn Minuten nach dem offiziellen Eröffnungstermin, war die Jurtenkirche fertig. Durchscnittlich arbeiteten an ihr nur acht Pfadfinder. Die fast 198 qm Grundfläche der Kirche war völlig mit Teppichen ausgelegt. Die gesamte Konstruktion wurde ausschließlich durch Seilverbindungen gehalten (ca. 350 Kreuzbünde); kein einziger Nagel wurde benutzt. Insgesamt wurden 3500 m Seil verbraucht. Als die Glocke zum ersten Mal zur Eröffnung läutete, versammelten sich fast 450 Pfadfinderinnen und Pfadfinder in der Basilika. Beleuchtet wurde das Innere mit Kerzen. Mehrere Wagenräder dienten als Kronleuchter.
Je nach Wetter mußten die Sturmseile nachgespannt werden, da die Hanf- und Sisalseile auf Temperatur- und Luftfeuchtigkeit mit starken Längenänderungen reagierten. Während ihres kurzen Daseins wurden in der Basilika mehrere Feste gefeiert, Gottesdienste gehalten, gab es Theateraufführungen und ein Konzert, es wurde gesungen und es gab die Möglichkeit, vor der Hektik des Lagerlebens zu fliehen. Als dann nach neun Tagen alles wieder abgebaut wurde, dauerte es nur einen Tag, bis die Planen herunter waren. Am Abend war nur noch am gelben Gras der Umriß der Kirche zu erkennen. Uwe Hugendick |






