Jurtenburg zum Jubiläum des PbW PDF Drucken

Wir im Stamm Wilde Gesellen waren schon immer sehr handwerklich orientiert, was sich in unserer Stammesarbeit auch in Lagerbauten und Zeltkonstruktionen widerspiegelte. Als im Sommer 2005 die Planungen für das Bundeslager 2006 begonnen haben, wurden wir gefragt, ob wir uns nicht um eine Jurtenburg kümmern wollen. Für uns gar keine Frage, selbstverständlich nahmen wir diese Herausforderung an. Zu diesem Zeitpunkt war das Aussehen der Burg noch vollkommen offen und auch ein Erbauerteam gab es noch nicht.

Die Jurtenburg wurde auf dem Jubiläumslager zum 25-jährigen Bestehen des PbW vom 24.07.06 bis 06.08.06 in Coburg aufgebaut.

Entstehung der Jurtenburg, die Idee

Doch recht schnell ist unsere Mannschaft um etliche Wilde Gesellen, Freunden aus anderen Stämmen und sogar Ehemaligen gewachsen. Zu Anfang standen mehrere Entwürfe und Vorschläge im Raum. Ein Besuch bei Blackcastle in Düsseldorf erweiterte unseren Horizont, beim "Fachsimpeln" konnte man sich die ein oder andere gute Idee holen und das ein oder andere Problem lösen. So konnten wir uns daraufhin auf einen Entwurf einigen. Wir konnten voll in die Planung und Verwirklichung unserer Vision einsteigen. Wir fingen an ein Modell im Maßstab 1:50 zu bauen, so dass sich jeder ein einmal ein plastisches Bild von dem Ganzen machen konnte. Langsam aber sicher begann das Unternehmen Jurtenburg Gesicht an zu nehmen. So wurden die Gespräche immer konkreter und auch Außenstehende wie das Ordnungsamt o.ä. spielten immer mehr eine tragende Rolle in unserer Arbeit.

Ein erster Besuch beim Bauamt versetzte uns einen kurzfristigen Rückschlag. Denn die Stadt Coburg wollte nach der Regelung für Fliegende Bauten eine Statikberechnung haben. Diese sollte die Haltbarkeit unserer Konstruktion bestätigen. Leider wäre so etwas sehr teuer gewesen und in den eigenen Reihen war kein Statiker zu finden. Es wurden Hilferufe in alle Richtungen gesendet. Jürgen Immler, der Statiker von Blackcastle, gab uns viele wertvolle Tipps (Vielen Dank!) doch hatten wir noch immer keine fertige Statik. Eine Anfrage bei der Fachhochschule Coburg brachte schließlich den erhofften Erfolg. Die Professoren waren so begeistert von unserer Idee, dass nicht nur eine Statik angefertigt wurde sondern auch noch eine Reihe anderer Test und Versuche gemacht wurde. Die Zusammenarbeit mit der FH war mehr als hervorragend.

Mit der Statik in der Tasche konnten wir die Stadt Coburg von unserer Idee überzeugen. Überhaupt erwiesen sich die Zusammenarbeiten mit den Ämtern und Behörden als überaus produktiv. Im Rahmen unseres Jubiläums stießen wir auf viele kooperative Stellen bei denen wir uns recht herzlich bedanken wollen.

Die Vorbereitungen und der Aufbau

Unser Team wuchs und wuchs. Was ursprünglich in den Köpfen von Wal & mir entstand wurde als bald in unzähligen Arbeitskreistreffen erörtert und verbessert. Ab dem Besuch und Referat an der FH Coburg konnten wir auch in die praktischen Vorbereitungen gehen. Für die Hauptabspannungen verwendeten wir Kevlarseile welche Zugeschnitten werden mussten. Wir fertigten verschiedene Heringsmuster an um diese von der FH testen zu lassen. Ein Probeaufbau des Turmdaches zeigte uns, dass die Konstruktion die wir uns ausgedacht hatten auch funktionierte. Unser Zeltmaterial wurde gesichtet und ging teilweise zur Reparatur. Nach dem Testergebnis der FH wurden die großen Heringe extra für das Zelt angefertigt. Das Holz für das Hauptgestänge wurde von uns transportiert. Die letzten Bastelarbeiten für das "Innenleben" verschlangen ebenfalls wieder einen ganzen Tag. Zum Schluss wurde dann nur noch das Material an die CoJe transportiert.

Der Aufbau begann mit dem vermessen des Platzes und aufzeichnen des Grundrisses unseres Zeltes. Dies war die Vorraussetzung um die sechs Hauptmasten setzen zu können. Anfangs war es unsere Idee je zwei der Hauptmasten gleichzeitig zu setzen, indem wir sie am Boden vormontierten. Dies erwies sich leider als Fehlschlag, sodass wir dann alle einzeln aufstellten. In luftiger Höhe montierten wir die Querriegel, welche das Gestänge versteiften. Nachdem das Hauptgestänge stand konnte der Hauptturm aufgestellt werden. Dieser glich einer Fachwerkkonstruktion, so dass er selbst ohne Abspannungen gestanden hätte und eine autarke Einheit bildete. Beim Ausspannen des Turmes und hochziehen des Daches riss uns leider eines der Jurtendächer. Diese musste nun in luftiger Höhe von 6m getauscht werden. Da der Zug des Kreuzes nicht 100%ig parallel zu den Nähten zog passierte dieses Missgeschick. Nachdem wir eine Zugentlastung einbauten war dieses Problem jedoch gelöst und der Turm ließ sich ohne größere Zwischenfälle abspannen. Nachdem das Mittelteil stand ging es in großen Schritten vorwärts. Der mittlere Jurtenring wurde angeknöpft und nach ihm die Kothen. Am letzten Tag mussten also nur noch verschiedene Kleinarbeiten erledigt werden. Z.B. die Verkabelung oder das Aufhängen der Dekoration. Das Team arbeitete Hand in Hand, da ging die Arbeit nicht nur schnell sondern auch mit dem nötigen Spaß von der Hand.

Zahlen, Daten, Fakten zur Jurte

  • 1 Theaterjurtendach
  • 6 Jurtendächer
  • 6 Kothendächer
  • 126 Seitenplanen
  • ca. 21 x 23 Meter Grundfläche
  • Höchster Punkt 11m
  • ca. 6,5m Firsthöhe des mittleren Turmes
  • ca. 290m² überbaute Zeltfläche
  • ungefähres Raumvolumen 1270m³
  • ca. 15 Festmeter Holz
  • knapp 1900m Seil
  • 25m Gewindestangen
  • 1200m Kabel
  • 72m L-Profil Stahl für die Heringe
  • Ca. 1200 Arbeitstunden von durchschnittlich 20 Mann für den Aufbau
  • Windstabil laut Statik bis 72km/h

Der Grundriss

Zentraler Turm:

  • 6 einzelne Jurtendächer
  • 6 Verlängerungsplanen

Innerer Ring:

  • 6 Jurten

Äußerer Ring:

  • 6 Kothen
  • Insgesamt 126 Seitenplanen
  • Knapp 7m Firsthöhe
  • Ca. 290m² Zeltfläche

Der mittlere Turm:

Der mittlere Turm, das Zentrum der Burg, hat 18 Seitenplanen und einen Durchmesser von knapp 9m. Bei einer Seitenhöhe von 6,025m wird die Dachplane eingehängt. Das Einhängen der Dachplane erfolgt an den dafür vorgesehen Ösen. Diese werden über die in den Seitenstangen befindlichen Stockschrauben gehängt und mit einer Mutter gekontert.

Damit der Turm unabhängig von den restlichen Zelten steht, werden die einzelnen Seitenstangen Fachwerksähnlich miteinander verbunden. Die Verbindung der Verstrebungen erfolgt über durchgehende Gewindestangen.

Um die Standsicherheit der 18 Seitenstangen sicher zu stellen werden diese entweder eingraben oder über eine Art Hering, oder Ankerplatte am Boden fixiert. Zusätzlich wird das ganze Konstrukt natürlich noch mit Seilen abgespannt.

Für die Abspannungen in dieser Größe, werden Kevlarseile verwendet. Diese sind nicht nur schwer entflammbar sondern haben auch eine geringe Eigendehnung bei einer sehr hohen Zugfestigkeit. Sollten auf einen Hering mehr Kräfte wirken wie zulässig ist, wird dieser Durch eine Heringsgruppe ersetzt. Grundsätzlich werden niemals zwei Abspannungen auf einen Hering gesetzt.

Um die Dachplane hochzuziehen werden drei der Hauptgestängemasten hinzugezogen. An denen, über Umlenkrollen oder ähnlichem, das Dach per Handseilwinden hochgezogen und/oder nachgespannt werden kann. Die Handseilwinden werden am unteren Ende der Hauptmasten mit "Holzfresser" Schrauben verankert. Das Stahlseil der Seilwinden zieht dann das Dach des Turmes in seine Endposition. Um das Dach des Turmes an einem Zentralen Punkt hochzuziehen, wird in die Dachöffnung ein Kreuz aus 4mm starken Stahlseilen gezogen, welches den zentralen Punkt ermöglicht.

Innerer Jurtenkreis:

Der Innere Jurtenkreis, welcher aus sechs Einzeljurten besteht, wird in gleichmäßigen Abständen an den Mittleren Turm angeknüpft. Das heißt immer genau unter den einzelnen Jurtendachplanen des Turmes befinden sich die Anknüpfpunkte. Diese Anknüpfpunkte liegen eine Seitenplanenhöhe (1,6m) unter dem Dach des mittleren Turmes. Das Jurtendach wird mit Hilfe von Spax und großen Unterlegscheiben durch die Ösen des Daches an den Seitenstangen des Mittleren Turmes befestigt.

An den restlichen Eckpunkten der Dachplane, welche keine Verbindung zu dem mittleren Turm haben, befinden sich Seitenstangen mit einer Höhe von 3,20m. Durch diese zwei verschiedenen Ausgangshöhen (Seitenstange 3,20m / Oberer Anknüpfpunkt 5,425m) ergibt es sich, dass die Dachplanen des inneren Jurtenkreisen von Haus aus eine gewisse Schräge aufweisen. Diese ist jedoch unabdingbar, um das Regenwasser von innen nach außen zu transportieren.

Äußerer Kothenkreis:

Die äußeren Kothen schließen die Lücken zwischen den sechs Jurten. Durch den kleineren Radius, den das Zelt im Ganzen aufweist, ist deren Dachneigung wesentlich steiler. Aber auch hier wird das Dach über eine zentralen Punkt in die Höhe gezogen. Ein zweiteiliges Kothenkreuz, welches die Planen hält bildet den zentralen Mittelpunkt zum Hochziehen des Daches. Die Seiten, welche an den Jurten anliegen, werden an diese angeknüpft. Wie auch schon bei dem Inneren Jurtenkreis, wird dieses "Anknüpfen" mit Hilfe von Spax und Unterlegscheiben vollzogen. An den Seitenstangen der Jurten verschraubt sind hier keine separate Seitenstangen notwendig.

Das Hauptgestänge

Das Hauptgestänge, der ganzen Jurtenburg besteht aus 6 senkrecht, 1,5m tief in die Erde gegrabene, Hauptmasten. Die Masten befinden sich in der Mitte der Jurten des inneren Jurtenrings. Diese werden mit Querstreben versteift. Die Verbindung erfolgt hierbei über durchgehende Gewindebolzen. Um ein Durchbiegen der Querstreben gering zu halten, werden diese von der Mitte aus, an die Spitzen der Hauptmasten abgespannt. Dies erfolgt mit dem hochzugfesten Kevlarseil. Jeder der 6 Hauptmasten wird V-förmig zum Boden hin abgespannt. Die Abspannung erfolgt mit Hilfe des Kevlarseiles an einen Hering/Heringsgruppe. Die Funktion der 6 Hauptmasten besteht darin, das jeweilige darunter liegende Jurtendach daran hochzuziehen. Außerdem werden drei der Masten als Anschlagepunkt für den Mittleren Turm verwendet, um dessen Dach in die Höhe zu ziehen.

Bilder vom Aufbau

-> Zu den Bildern in der Galerie. (Hier klicken)

Weitere Informationen:

Texte und Bilder sind Eigentum der Wilden Gesellen (www.wilde-gesellen.de).

Vielen Dank an Andreas Müller.