Wie die Kohte zu den Bündischen kam PDF Drucken

Tusk (Eberhard Koebel) beschreibt seine erste Begegnung (1926) mit der Urform unserer heutigen Kohte:

'Wir kamen an eine Kohte. Sie stand zwischen Birken verborgen. Ihr Laub reichte fast bis zur Erde. Ich betrachtete die Kohte, wie man seine Wohnung beschaut. Zuerst von außen, dann traten wir ein, gaben einer uralten Greisin die Hand und einer jungen Frau.

Begegnung mit der Urkohte

Urkohte

Die Lappen grüßten "Puörist", und ich tat es zaghaft auch. Wir setzten uns auf die linke Seite, die denen zusteht, die nicht zur Familie gehören. Ich hatte ja früher schon Lappen gesehen. Ich war schon schönen Mädchen begegnet und mehrmals in Erdkohten am rauchigen Feuer gesessen. Aber was ich hier sah, war mir doch neu. Ein Zelttuch, das von einer Stangenkonstruktion gespannt ist. Denkbar praktisch zum Transport! In der Mitte war ein Feuerplatz und darüber im Zeltdach ein Loch, zu dem Sonnenschein und Nordlicht Einlaß haben. Ich versank in die Betrachtung der Dinge um mich her.'

aus: tusk - Gesammelte Schriften und Dichtungen, Verlag der Jugendbewegung, 1998

Die Kohte hält Einzug in die bündische Bewegung

Aus Lappland stammt auch die Anregung zu einer genialen Erfindung, die Fahrten und Lager der Bünde völlig umgestaltete. Wenn auch in den bündischen Zeitschriften Mitte der zwanziger Jahre hin und wieder die Idee eines heizbaren Zeltes aufgetaucht war, so blieb es Tusk vorbehalten, aus der Urform des lappischen Feuerzeltes, der Kohte, eine praktikable Konstruktion, d.h. zweckmäßig geschnittene und transportable Zeltplanen zu entwickeln, die in kürzester Frist ihren Siegeszug durch nahezu alle Bünde antrat. Heute noch ist die Kohte, das schwarze Feuerzelt mit dem farbigen Ornamentstreifen, d a s Symbol bündischen Lebens, beschränkt geblieben allerdings auf die deutschen Jugendbünde. Viele Lager nach dem 2.Weltkrieg, z.B. das auf dem Hohen Meißner 1963, dokumentieren, daß sich die Prophezeiung ihres Erfinders vor 1930, daß in nicht ferner Zeit der Wind den Rauch ganzer 'Kohtenstädte' übers Land wehen würde, erfüllt hat, 'Jedes andere Zelt', so heißt es im 'Großen Lagerbuch' von Walter Scherf (tejo) 'wird mit fast beleidigenden Elan von der Kohte übertroffen...Gewiß ist es wertvoll, ein leicht zerlegbares Zelt zu besitzen, das bei jedem Wetter, selbst in hohem Schnee, aufgebaut und im Strahlkreis seines Feuers bewohnt werden kann. Der eigentliche Grund, die Kohte besonders hochzuschätzen, liegt tiefer und ist in einer Zeit, die ihre Häuser mit infraroten Strahlen zu heizen gelernt hat, schwer zu fassen. Doch stellen wir uns vor, was es bedeuten mag, wenn die Jungen, müde und überreich von den Erlebnissen des Fahrtentages, eines großen Waldspieles zurückkehren in ihre Kohte und der warme Feuerschein sie aufnimmt. Sie sind nicht irgendwo untergekrochen, sich auszuschlafen, sie haben vielmehr zum sichtbaren Mittelpunkt zurückgefunden.'

aus: ' ....seh ich Schwäne nordwärts fliegen.' von Tusk, Südmarkverlag, 1977 (Text stammt aus dem Biographischen Anhang von Erich Meier)