Die Entstehung der heutigen Kohte PDF Drucken

Als in den zwanziger Jahren die deutsche Jugendbewegung im Umbruch war, immer neue Bünde entstanden, sich spalteten und sich zusammenschlossen, suchte man nach neuen Formen des Zusammenlebens. Wandervögel und Pfadfinder schlossen sich zum Bund der Wandervögel und Pfadfinder (BdWuP genannt), der späteren deutschen Freischar zusammen, die Neu- und Ringpfadfinder wurden aktiv und aus England kam die Idee der Waldpfadfinder zu uns herüber.

Lilie

Wie unsere heutige Kohte entstand...

John Hargrave

John Hargrave, genannt der "weiße Fuchs", brachte sein Wigwam Buch heraus und später die "Stammeserziehung". Die Übersetzung besorgte Franz-Ludwig Habbel vom Bund der Neupfadfinder. Der weiße Fuchs zeigte erstmals bemalte Zelte, Indiandertipis und Eskimo-Zelte, und in seinem Buch "Stammeserziehung" (1922, Der Weisse Ritter Verlag, Berlin) war sogar schon eine Eskimo-Kohte abgebildet.

Tusk

Die Entscheidende Idee für die heute noch gebräuchliche Kohte lieferte aber Eberhard Koebel, genannt Tusk. Tusk war Wandervogel, stieß dann zum BdWuP, wurde in der Feischar aktiv, flog dort raus, gründete die Deutsche Jungenschaft und trat mit ihr in den Deutschen Pfadfinderbund ein, mußte bald aber auch hier ausscheiden. 1927 und 1929 unternahm er Lappland-Fahrten, wobei er auch die Lappenkohte kennenlernte. Bei der ersten Lapplandfahrt war auch sein Studienkamerad Erich Mönch, (genannt Schnauz) von den Sturmtrupp-Pfadfindern dabei. Schnauz, später Professor an der Kunsthochschule Stuttgart, war eine Zeitlang Schriftleiter der Bundeszeitschrift "Jugendleben" und Gaufeldmeister Südwürttemberg-Hohenzollern des BDP. 1956 trat er gemeinsam mit anderen Freunden des "Grauen Reiters" aus dem BDP aus. Aber zurück zur Kohte.

Das Geburtshaus der Kohte steht in der Stuttgarter Königsstraße. Nach der Rückkehr von der ersten Lapplandfahrt und abgeschlossenem Grafikstudium gründete Tusk zusammen mit seinem Studienfreund Fritz Stelzer (genannt Pauli, Gauführer der Freischar) das Atelier Gorm, ein Atelier für Buch- und Werbegrafik. In diesem Atelier "bastelten" Tusk und Theo Hohenadel (genannt Gari) die erste, wenn auch unvollkommene Kohte. Gari stammt aus der legendären Jungmannschaft Königsbühl in Ludwigsburg, die sich 1924 den Neupfadfindern anschloß. Nach dem Krieg war Gari aktiv im BDP, trat aber dann mit den Grauen Reitern 1956 aus. Er berichtet, daß Tusk zu ihm sagte: "Wir brauchen ein Kohte, damit wir darin Feuer machen können." Gari machte sich daran die Otnorisse (das Rahmensystem) zu machen. Allerdings sollte sie zusammenlegbar sein, um einen bequemen Tarnsport zu ermöglichen. - Die Kohtenbahn war damals noch aus einem Stück und die Tür war ein separates, dreieckiges Stück Stoff, das mit kleinen Querlatten versteift war. - Die größte Mühe bereitete das Gestell, weil es ja per Bahn transportiert werden mußte. Erste Versuche mit gebogenen Otnorissen für den Dauergebrauch schlugen fehl, weil sie zu sperrig waren und nur einmal zu gebrauchen, und so entwickelte sich das Kohtenkreuz und nur vier Stangen.

Die erste Kohte stand auf dem Pfingstlager 1928 auf der Kollenburg bei Dorfprozelten im Spessart. Die erste Versuchskohte war farbig, wurde aber dann bald nur noch aus weißem Stoff gebaut mit dem Ornamentstreifen am Boden. - Die Otnorisse hatte Tusk aufgezeichnet und das Rauchloch war ziemlich groß. Aus diesem Grund, vor allem aber wegen der Unhandlichkeit ist man dann wieder davon abgekommen.

Später gab man den Plan auf, eine Lappenkohte mit Parabelbögen zu bauen. Tusk schrieb dazu im Lagerfeuer. "Darum bauten wir unsere Kohten nach einem anderen lappischen Rezept, nach dem die Wächterzelte oft gebaut werden. Man schnürt aus vielen kleinen Zweigen einen großen Reif, der zur Stütze oben in das Zeltgebäude hineingebunden wird. Das war keine gute Lösung, denn der Bau der Kohte brachte soviel Mühe und der Wind verbog sie oft bedenklich. Wir nahmen grüne Zweige, die elastisch und steif waren, zum Ring. Wenn nun darunter das Feuer brannte, verbog sich auch noch der Ring, und die Kohte wurde immer jämmerlicher, je länger sie stand."

Nach und nach durch viele Experimente und aktive Mithilfe der Stuttgarter Firma Brenninger (die die Kohten herstellten, oder zumindest vertrieben, ebenso wie die Jujas) entstand dann die Kohte wie wir sie heute kennen.

Eine kleine Episode am Rande. Schnautz erzählte einmal, daß er sehr stolz darauf sein, daß der erste, der auf einer Kohte geschlafen habe, ein Pfadfinder gewesen sei, nämlich er. Wieso er auf einer Kohte geschlafen hatte geschah so: Er kam nach einer Großfahrt recht abgebrannt zurück und wurde im Atelier von Tusk und Pauli freundlich aufgenommen. Tusk hatte bei der Versuchskohte als letztes die Tür eingehangen, das Werk für gut befunden und dann alles säuberlich zusammengefaltet und mitten ins Atelier gelegt. Mangels Platz hatte man Schnauz gestattet, das Wunderwerk als Lagerstatt zu benutzen.

Eine Berliner Gruppe ging auf ganz anderem Weg an die Lösung des Feuerzeltproblems heran. Sie experimentierten mit dem indianischen Tipi und den oben zusammengebundenen Stangen. Angeregt wurden sie dazu durch die Bücher vom weißen Fuchs. Aus der Verbindung von zusammengebundenen Stangen wie beim Tipi, der Form der Lappenkohte und der Erfindung des Kohtenkreuzes entstand schließlich das Zelt der deutschen Jugendbewegung überhaupt.

Der Beitrag wurde uns vom Stamm Alamannen aus der Pfadfinderschaft Grauer Reiter zur Verfügung gestellt.

Diesen Text habe ich als Kopie bei mir. Ich weiß nicht, wer ihn geschrieben hat, weil kein Name dabei steht. Ich habe den Text etwas abgeändert und hoffe, daß ich keine Rechte verletze. Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.