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Über die Kohtenbemalung
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"Aus grauer Städte Mauern" zieh'n wir hinaus und so manches Mal in ein großes Lager oder gar in ein Bundeslager, auf das wir uns jetzt wieder freuen. Die Eintönigkeit der Städte und ihrer Mietskasernen, in denen Menschen wohnen, die kaum eine Möglichkeit haben, ihre Umwelt zu gestalten, wird dann eingetauscht gegen das Lager. Aber auch hier ist oft die Eintönigkeit zu Hause. Da steht Schwarzzelt neben Schwarzzelt, schwarz, trostlos.

Von unserem Kohten- und JurtenSchmuck

So wie die Kohten und Jurten vom Hersteller geliefert wurden, werden sie aufgestellt. Es wundert einen, daß noch niemand auf die Idee gekommen ist, durch die Lagerstraßen zu gehen und diesen Einheitszelten Hausnummern zu verpassen. Dabei kann - die Betonung liegt bei "kann" - das Leben in den Kohten und Jurten einmalig und aufregend sein, wenn wir ein bißchen bewußter mit diesen Dingen umgehen würden.Daß die schwarze Farbe unserer Kohten und Jurten recht praktisch ist, war ja schon in der letzten ZEITSCHRIFT beschrieben worden. Aber dieses Schwarz ist nicht nur vordergründig zu sehen. Macht einmal eine Probe aufs Exempel und fragt Eltern und Freunde, was sie bei dem Wort Schwarz empfinden. Ihr werdet viele Antworten bekommen, wie z. B. Nacht, Finsternis, Tod, Trauer, Schatten, Tiefe, Höhle oder ähnliches. Alle Antworten spiegeln zunächst etwas wider, was die wenigsten von uns zu deuten wissen. So ähnlich geht es uns auch, wenn wir ein Schwarzzeltlager betreten. Der Eindruck ist mit keinem anderen Lager zu vergleichen. Es ist etwas Besonderes, etwas Geheimnisvolles, etwas Einmaliges, etwas ganz Persönliches. Dieses Schwarz in Verbindung mit Feuer erinnert an Herd und Höhle. Aber es spielt noch mehr mit.

Denkt einmal nach,warum die schwarze Farbe so vielen Dingen eigentümlich ist, die alle auf nicht gleich faßbare Art und Weise miteinander verbunden sind. Da sind die schwarzen und erdfarbenen Kleider der Mönche und Nonnen als Zeichen der Askese und Mystik, da ist das feierliche Schwarz des Bräutigams, der dem strahlenden Weiß der Braut gegenüber steht, da ist der schwarze Rock des Pfarrers als Überbleibsel des schwarzen "Gelehrtenrocks". Da sind die schwarzen Gottheiten und Marienbilder. Alles steckt voller Geheimnisse, die "schwarzen" Jünglingsbünde des Mittelalters, die schwarze fruchtbare Erde, die schwarze Höhle und der dunkle Mutterleib. Letzten Endes dreht sich alles um Tod und Wiedergeburt, um den neuen Menschen.

Sicher ist hier nicht die Stelle, darüber ausführlich zu berichten. Die Älteren von Euch sollten sich aber schon mal mit solchen Themen auseinandersetzen.

Was mich persönlich betrifft, so bin ich fasziniert von der Farbkombination Schwarz-Weiß. Ähnliches gilt auch für Schwarz-Gold und Blau-Gold. Dieser unheimliche Kontrast, dieses Maximum an Licht gegenüber dem Höchstmaß an Dunkelheit hat im Zusammenspiel das ganze Spektrum des Lebens in sich. So finde ich eine weiße oder goldgelbe Kohten- oder Jurtenbemalung am aussagestärksten. Die Überlieferungen aus der Sagen- und Märchenwelt kommen uns hier sehr entgegen.Ein weißes Tier ist immer etwas ganz Besonderes, das ist auf der ganzen Welt so. Denkt mal an die weißen heiligen Kühe in Indien, an das sagenumwobene weiße Einhorn in Europa, an den weißen Delphin der Griechen. Denkt mal an das Märchen der Brüder Grimm, in dem derjenige die Sprache der Tiere verstehen kann, der von einer weißen Schlange ißt. In Peru opferten die Indianer weiße Lamas, und den nordamerikanischen Indianern waren weiße Büffel und Bisons heilig. Die Römer dagegen opferten ihrem Gott Jupiter weiße Stiere. Die Germanen hielten sich weiße Pferde in heiligen Hainen. Auf ihnen durften nur die Boten des Königs reiten. Später entwickelte sich seit Karl dem Großen daraus die Postreiterei und mitten in den Städten waren die Gasthäuser "Zum Weißen Roß" oder "Zum weißen Pferd", wo dann die weißen Pferde auch gewechselt wurden. Selbst die schweizerischen Kantone hielten den Brauch der weißen Pferde bei. Sie ließen die Überbringer amtlicher Nachrichten nur auf weißen Pferden reiten, die auf Kantonskosten gehalten wurden. Daher kommt übrigens der Name Amtsschimmel, denn nicht immer waren weiße Pferde da und es blieb manch wichtige Nachricht liegen. Das aber nur ganz nebenbei, denn vor solchen Pannen sind ja auch Pfadfinder nicht gefeit. Wer also auf einem weißen Pferd saß, war schon was Besonderes, nicht nur die Boten des Königs, sondern auch der König selbst und auch der Drachenüberwinder, der Ritter Georg ritt auf einem Schimmel. Es gibt noch viele, viele Beispiele dafür. Forscht nur mal in Eurer näheren Heimat nach. In den Sagen, Märchen und Überlieferungen wimmelten es nur so von weißen Frauen und Elfen, weißen Rosen und Lilien, weißen Füchsen und Hasen, weißen Schwalben und Raben und nicht selten ist weiß und weise aus der gleichen Wurzel erwachsen.

Aber ich will Euch natürlich nun hier nicht alles wei(s) machen, nicht die letzten Weistümer aufdecken, keine Wei(s)ungen geben, Euch nicht einweis(s)en und weissagen. Sicher seid Ihr weis(s)e genug, Euch selbst zu informieren. Einige Hinweise können dabei helfen:

Die Indianer bemalten ihre Tipis nach ganz bestimmten Regeln. Am oberen Zeltrand wurde zunächst einmal der "Himmelsrand" angebracht. Das konnte der Taghimmel oder der Nachthimmel sein und manchmal wurden beide Himmel auch gleichwertig nebeneinander gemalt. Dort und ein wenig unter dem Himmelsrand waren Sonne, Wolken und Sterne zu finden, während die symbolischen oder natürlichen Zeichen für Wasser und Erde am unteren Zeltrand angebracht waren. Zwischen Himmel und Erde fanden sich dann die Darstellungen von Mensch und Tier, von Ereignissen, Wünschen und Träumen. So könnten auch wir es bei unseren Kohtenplanen halten. Ganz bestimmte Dinge sollten -wie im Leben- ihren ganz bestimmten Platz haben. Sehr oft wurde ein Traum als Ausgangspunkt der Tipibemalung bei den Indianern benutzt. Die Tipi-Bewohner erzählten sich gegenseitig ihre Träume. Ein besonders starker Traum wurde ausgesucht und der Stammesmaler wurde geholt. Er skizzierte nun den Traum auf seine Art und daraus entstand nach mancher Abänderung die Tipibemalung. So könnte das auch bei uns sein. Es muß nicht unbedingt das Sippentier sein oder ein Ornament, was Eure Kohte schmückt. Hier könnt Ihr durchaus auch Euren Träumen und Wünschen Ausdruck verleihen.

Die Rechtecks- und Vierecksplanen der Jurten eignen sich besonders zur Bemalung. Hier kann es reizvoll sein, ein ganz bestimmtes Thema zu gestalten. Sei es, daß alle Planen mit Fabeltieren geschmückt werden, mit den verschiedenen Lilienformen, mit Blatt- oder Baumformen, mit Greifvögeln, mit den Tieren der Sippen im Stamm, mit den Wappen der Stämme im Bezirk, mit Sagen der Heimat usw. Aber auch die Jurtenplanen können einen umlaufenden Ornamentstreifen haben. Von solchen Streifen soll jetzt die Rede sein: